Die Geschichte von Friedrichstadt
1569/70 begann man den Lauf der Treene, die früher westlich vom heutigen Friedrichstadt
bei Reimersbude in die Eider mündete, zu verkürzen.
Das Treenewasser wurde mittels zweier Sielzüge (dem Oster- und dem Westersielzug)
und mit Hilfe vierer (heute dreier) Schleusen in die Eider umgeleitet.
Durch den Bodenaushub entstand eine erhöhte, von Deichen geschützte, künstliche Marscheninsel (Seebüll),
die aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage, dem Zusammenfluß von Treene und Eider,
einen guten Standort für die Gründung einer Siedlung darstellte.
An dieser Stelle kam es dann am 24.09.1621 zur Gründung von Friedrichstadt.
Die Entstehung der Stadt wurde von drei Faktoren beeinflußt:
Zum einen spielte die merkantilistische Wirtschaftspolitik Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorf
(1616-1659) eine Rolle. Seine Idee war es, an der Eider als Konkurrenz zu Hamburg
eine Handelsmetropole entstehen zu lassen. Zu diesem Zweck erschienen ihm die Holländer
als neue Siedler am besten geeignet. Sie waren nicht nur als Deichbauer und Fachleute für Entwässerung
bekannt, sondern beherrschten zu diesem Zeitpunkt den Getreidehandel von der Ostsee zu den
Nordseeanrainern und besaßen im Welthandel eine Monopolstellung mit ihrer Ostindien-Kompanie.
Friedrich III. sah hier eine Chance, sich am Kolonialhandel zu beteiligen und daran zu verdienen.
Ein weiterer Faktor waren die politischen Rivalitäten mit dem dänischen
König Christian IV. (1596-1648). Als dieser 1617 mit dem Bau von Glückstadt an der Elbe begann,
zog Friedrich III. mit der Gründung von Friedrichstadt nach.
Der dritte Aspekt, der die Gründung der Stadt positiv beeinflußte,
waren die Glaubensstreitigkeiten der reformierten Kirche in den Niederlanden.
Der aus Antwerpen stammende Willem van Hove, Herr van Wedde wurde der wichtigste Partner
des Gottorfer Fürsten. Auf Anraten von Willem van Hove verfaßte der Herzog einen "Oktroi",
d. h. einen Katalog von Privilegien in holländischer Sprache, der unter den ansiedlungswilligen
Glaubensflüchtlingen verteilt werden sollte. Religionsfreiheit, wirtschaftliche Freiheit
und Selbstverwaltung waren die Vorzüge, die Friedrich III. versprach.
Ein Begleitschreiben mit dem folgendem Text unterstützte die Kampagne.
"Es hat Gottes Güte gefallen, das Herz des durchlauchtigen hochwohlgeborenen Fürsten Friedrich,
Erben zu Norwegen, Herzog zu Schleswig-Holstein, der Stormaren und Dithmarschen,
Grafen zu Oldenburg und Delmenhorst etc., zu bewegen, den Bekennern der
remonstrantisch-reformierten Religion den Bau einer neuen Stadt zu erlauben...".
Weitere Oktrois, die ähnlich geartet waren, folgten.
Aber nicht nur die eben genannten niederländischen "Remonstranten",
die die Strenggläubigkeit der Kalvinisten nicht anerkannten und aus diesem Grunde verfolgt wurden,
wurden von diesen Versprechen angezogen. Auch portugiesische Juden, Protestanten,
Katholiken, Quäker und Mennoniten sahen in der neuen Stadt die Chance, ihren Glauben
frei ausüben zu dürfen. So wurden im 17. Jahrhundert sieben Religionsgemeinschaften
in Friedrichstadt gezählt. Heute findet man immer noch fünf Konfessionen und vier Gotteshäuser
in der Stadt (Remonstrantenkirche, Dänische und Mennonitenkirche, Katholische Kirche,
Evangelisch-lutherische Kirche und Synagoge).